13. November 2019

Erkenntnisse der Yousty-Umfrage zur Lehrvertragsauflösung

Die Thematik "Lehrvertragsauflösung" ist in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund gerückt. Sie stellen für betroffene Jugendliche aber auch Lehrbetriebe oftmals eine Belastung dar.
Wir haben daher 1'160 Lehrbetriebe befragt und möchten anhand der Resultate verstehen, was die Hintergründe sind und wie wir Unternehmen – vor allem aber auch Jugendliche – besser unterstützen können. Hier die Resultate.

Lehrunterbruch ≠ Lehrabbruch

Bei einem Lehrunterbruch sind die Jugendlichen bemüht, eine Lehrstelle bei einem neuen Betrieb oder in einem neuen Beruf anzutreten. Von einem Lehrabbruch spricht man hingegen, wenn der/die Jugendliche keine weitere Ausbildung beginnt. 

Gemäss dem Bundesamt für Statistik werden rund 25% der Lehrverträge vorzeitig aufgelöst. So gaben bei unserer Umfrage auch über 75% der befragten Unternehmen an, mit mindestens einem/r Lernenden den Vertrag aufgelöst zu haben. 

 

Was sind die meistgenannten Gründe?

  • Ungenügende Leistung (schulisch wie auch betrieblich) 

  • Falscher Beruf/Tätigkeit

  • Zwischenmenschliche Schwierigkeiten

  • Diebstahl/Vertrauensmissbrauch

  • Gesundheitliche/Psychische Probleme

  • Drogen-/Alkohol-Missbrauch

Positiv hervorzuheben ist die Tatsache, dass wenige Verträge wegen der wirtschaftlichen Lage oder aufgrund dem persönlichen Verhältnis aufgelöst werden müssen.

 

Wann werden die meisten Lehrverträge aufgelöst?

Über die Hälfte der Lehrverträge werden im ersten Lehrjahr aufgelöst. Nach überstandenem zweiten Lehrjahr gibt es sehr wenige Auflösungen. 

Lehrvertragsauflösung nach Lehrjahr

1 = 1. Lehrjahr, 2 = 2. Lehrjahr, 3 = 3. Lehrjahr, 4 = 4. Lehrjahr

 

Wie können Lehrvertragsauflösungen verhindert werden?

Eine erste Massnahme kann man bereits bei der Rekrutierung treffen. Lassen Sie sich Zeit bei der Evaluation. Zeigen Sie nicht nur die Sonnen- sondern auch die Schattenseite des Lehrberufs. So erfahren die Jugendlichen bereits vor Antritt der Lehre realitätsnah, was auf sie zukommt. 

Diese weiteren Massnahmen haben wir für Sie zusammengetragen: 

Schulische Leistungen

info-xxl Verschaffen Sie sich einen Überblick von den schulischen Leistungen. Lassen Sie ungenügende Noten von Ihnen unterschreiben. 

info-xxl Unterstützen Sie die Jugendlichen mit Stützkursen.

info-xxl Besprechen Sie Möglichkeiten wie z.B. der Wechsel in die EBA-Lehre. 

info-xxl Nutzen Sie die sozialen Dienste der Schulen und Ämtern. 

Betriebliche Leistungen

info-xxl Bei anfänglichen Schwierigkeiten kann die Probezeit um 3 Monate verlängert werden.

info-xxl Nehmen Sie sich wöchentlich eine Stunde Zeit für ein Gespräch mit den Lernenden. Sprechen Sie über Geschäftliches – und falls möglich über Privates. Das schafft Nähe und verbessert das gegenseitige Verständnis.

info-xxl Erstellen Sie quartalsweise eine Zielvereinbarung. Diese wird vom Lehrbetrieb, Lernenden und den Eltern unterschrieben. 

info-xxl Suchen Sie das regelmässige Gespräch mit den Eltern. Schwierige Situationen zu Hause oder im Privatleben können einen grossen Einfluss auf die Leistung und Motivation eines Jugendlichen haben.  

info-xxl Zeigen Sie die Chancen nach dem Lehrabschluss auf. Geben Sie den Jugendlichen einen Motivationsschub, indem Sie Perspektiven nach dem Abschluss aufzeigen.

Interview mit Andrea Ruckstuhl von Job Caddie

Wir durften zu diesem Thema mit Andrea Ruckstuhl von Job Caddie Zürich ein Interview führen. 

Hier gehts zum Interview

Fazit

Nicht jeder Lehrabbruch respektive Lehrunterbruch kann verhindert werden. Geben Sie den Jugendlichen die Möglichkeit, sich bereits vor der Bewerbung über die Ausbildung bei Ihnen zu informieren. Durch eine überlegte Selektion können Sie eine gute Grundlage schaffen, dass Sie passende Lernende finden, welche wissen, was in der Lehre ansteht. Bei schulischen Schwierigkeiten ist ein Wechsel in die EBA-Lehre eine gute Option. Die Umfrageteilnehmer haben diesbezüglich sehr gute Erfahrungen gemacht. 

Das Wichtigste: lassen Sie sich nicht entmutigen und suchen Sie vor Lehrvertragsauflösung das Gespräch. Aufgrund schlechter Erfahrungen gar keine Lernenden mehr auszubilden, ist enorm schade und sollte nie die Option sein.

Faktenblatt Lehrvertragsauflösung downloaden

Erhebungsdaten

  • Befragung von 1'167 Lehrbetrieben schriftlich mittels Online-Fragebogen 

Unternehmens- grösse

1-9 Mitarbeitende

10-49 Mitarbeitende

50-249 Mitarbeitende

250+ Mitarbeitende

Total

Anzahl Teilnehmer

282

403

326

156

1167

 

  • Erhebungszeitraum: 24. Oktober bis 4. November 2019

 

 

Robin Villoz

Mein Name ist Robin Villoz und ich bin seit 2017 bei yousty.ch. Als Projektleiter bei yousty.ch bin ich für unseren Berufsbildungs-Blog verantwortlich. Zusätzlich betreue ich unsere Eignungsabklärung, den Berufs-Check, und kann mich dadurch für die Chancengleichheit in der Berufsbildung einsetzen. Haben Sie Fragen? Schreiben Sie mir!

E-Mail schreiben