8. Dezember 2020

Coaching für Berufsbildner*innen: Lernende langfristig motivieren

Um aus Jugendlichen motivierte Lernende zu machen gibt es kein Patentrezept. Fest steht aber, dass vor allen Dingen die Haltungen der Berufsbildner*innen gegenüber den Jugendlichen und dem eigenen Beruf ausschlaggebend dafür sind, ob die Lernenden Höchstleistungen bringen oder eben nicht. Doch auch Berufsbildner*innen brauchen für eine konstant gute Leistung neue Impulse. Coachings können dabei helfen, die eigene Haltung zu überprüfen und zu optimieren.

In diesem Blog Beitrag: 

 

Halle fegen war gestern: Die Lernenden von heute ticken anders

Sicherlich haben Sie in Ihrer Laufbahn als Berufsbildner*in schon oft genug Schlagzeilen wie diese gelesen:


«Wo die Lernende bereits Chefin ist» (SRF Regionaljournal 22.09.2020)
«Volg-Lernende «schmeissen» den Laden selbständig» (Berufsbildnerblog, 04.06.2019)
«Berufsweltmeisterschaften - Schweiz holt fünf Goldmedaillen» (SRF News-Clip, 27.08.2019

Solche und ähnliche Titel können für die unterschiedlichsten Gefühle sorgen: Freude, Erstaunen, Bewunderung, … aber auch Nachdenklichkeit, Frustration und Selbstaufgabe. Ganz abhängig davon, wie die Situation mit den eigenen Lernenden derzeit aussieht. Oftmals erleben Berufsbildner*innen den Alltag mit Lernenden nämlich ganz anders, als es in diesen Beiträgen präsentiert wird.

Doch wieso ist das so? Und was können Sie als Berufsbildner*in tun, um Ihre Lernenden langfristig zu motivieren? 

 

Was braucht es, damit Lernende motiviert und begeistert sind?

Seit ich selber Teenager war, arbeite ich mit Jugendlichen. In Musicalprojekten, in der Jugendarbeit, als Berufsbildner und ÜK-Leiter erlebe ich regelmässig, wie Jugendliche begeistert Glanzleistungen erbringen, motiviert sind und in ihren Tätigkeiten voll und ganz aufgehen. Aber eben nicht immer.

In all den Jahren habe ich vor allen Dingen Eines gelernt: Für diese Erfolge gibt es kein prozessgesteuertes Patentrezept. Kein Schema X, das sich auf alle Jugendlichen und Lernsituationen übertragen lässt. 

Doch nach der jahrelangen Zusammenarbeit mit Berufsbildnern und Lernenden kristallisieren sich immer wieder zwei wesentliche Faktoren heraus, die für die Motivation der Lernenden verantwortlich sind: 

Wieso genau diese beiden Punkte für das Engagement und die Motivation der Lernenden so ausschlaggebend sind, möchte ich einmal genauer beleuchten.

 

Haltung zur eigenen Tätigkeit

«Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.» 

Das sagte bereits der Kirchenvater und Philosoph Augustinus Aurelius (354 - 430).

Und das gilt eben auch für uns Berufsbildner*innen. Unsere Haltung und Loyalität zur Firma prägen die Motivation und die Haltung der Lernenden. 

Wer selbst nur «Dienst nach Vorschrift» betreibt, über den Chef oder die Kunden vor seinen Lernenden meckert und eine fragwürdige Berufsethik hat, wird schnell jegliche Begeisterung für den Lehrbetrieb und den Lehrberuf auslöschen. Aber auch das andere Extrem; übertriebene Diensthörigkeit und hoffnungslose Aufopferung schaffen es, der Motivation der Lernenden nur allzu schnell den Garaus zu machen. 

Und dabei geht es so schnell. Eine stressige Woche oder eine Bemerkung des Chefs und schon verliert man ein schlechtes Wort vor den Lernenden. Das kann passieren. Aber langfristig die Begeisterung für den eigenen Job zu verlieren ist nicht nur für Sie selber sehr schade, sondern hat auch einen direkten Einfluss auf die Motivation Ihrer Lernenden.

Expertentipp: Entdecken Sie neu, was Sie an ihrem Beruf lieben und weshalb sie dankbar sind, dass Sie in dieser Firma arbeiten dürfen. 

Dieser Prozess ist nicht nur für Sie lohnend. Ihre neu gewonnene Begeisterung steckt an.

 

Haltung gegenüber den Lernenden als Kernaspekt

Einen großen Einfluss hat aber eben nicht nur die Begeisterung für den eigenen Job, sondern auch Ihre Haltung gegenüber Ihren Lernenden. Jugendliche erkennen sehr schnell, wie Erwachsene über sie denken. Echtes Interesse, Wohlwollen und der Glaube, dass sie zu Grossem fähig sind, wirkt unwiderstehlich auf sie.

Wer junge Menschen fördert, sollte stets erwarten, dass sie einen über kurz oder lang überholen werden. Sie werden – erfahrungsgemäss eher früher, als später – besser, schneller und zeitgemässer sein als man selbst. Wenn Sie dieser Gedanke schmerzt, haben Sie einen Punkt entdeckt, den Sie angehen sollten – zum Beispiel in einem Coaching. Bei der Ausbildung der Lernenden geht es schließlich nicht darum, immer alles noch besser zu können, sondern vielmehr darum, Anderen zum Erfolg zu verhelfen.

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Mit viel Vertrauen zu viel Leistung

In den meisten Fällen überraschen mich Jugendliche positiv, wenn ich ihnen viel zutraue. Und obwohl ich das schon häufig erlebt habe, muss ich beschämt merken, dass ich immer noch eingrenzend denke. 

Vor ein paar Wochen hatte ich zum Beispiel den Eindruck, dass es schwierig sein könnte, Jugendliche in einem Teamcoaching zu begleiten. Denn Ihnen fehlt es noch an Lebenserfahrung, sie verfügen über wenig einstudierte und eingefahrene Muster, die Persönlichkeit ist erst dabei sich zu formen, … Trotzdem haben wir es gewagt und ich habe versucht vorab bewusst positiv an die Sache heran zu gehen. Das Resultat des Coachings hat den Berufsbildner, die Lernenden und mich begeistert. Viel Vertrauen in die Leistung der Jugendlichen wird meist auch mit viel Leistung belohnt.

 

Management von Erwartungen

Doch auch, wenn viel Vertrauen oftmals mit einer sehr guten Leistung der Jugendlichen belohnt wird, müssen Sie darauf achten, dass Sie nicht zu viel von Ihren Lernenden erwarten. Als Berufsbildner*in müssen Sie ein feines Gespür dafür haben, wie die Jugendlichen an herausfordernde Aufgaben heranzuführen sind. 

Wenn Sie all Ihre Erwartungen in einen Rucksack packen und diesen den Lernenden am ersten Tag aufbürden, werden die Jugendlichen unter der Last zerbrechen. 

Der Weg zum Flow (das Optimum zwischen Unter- und Überforderung, das zur totalen Begeisterung führt) ist eine Gratwanderung, die sorgfältige Begleitung erfordert. Überprüfen und managen Sie also permanent Ihre Erwartungen gegenüber Ihren Lernenden und holen Sie sich aktiv Feedback von den Lernenden oder einer objektiven, dritten Person ein.

 

Fazit

Damit Sie Ihre Lernenden langfristig erfolgreich motivieren und die Freude am eigenen Beruf weitergeben können, sollten Sie regelmäßig Ihre eigene Haltung und Ihre Skills überprüfen. Wichtig sind für die persönliche Weiterentwicklung vor allen Dingen frische Impulse und konstruktives Feedback. Ein Coaching für Berufsbildner*innen und Lernende kann genau das leisten. Dabei geht es aber nicht nur um Ihre eigene Weiterentwicklung, auch Ihre Lernenden und Ihr Betrieb werden es Ihnen langfristig danken.

 

Achi Brunnschweiler

Achi Brunnschweiler

Achi Brunnschweiler ist dipl. Coach SCA und Betrieblicher Mentor FA. Er begleitet sowohl Führungskräfte und Teams, als auch Privatpersonen auf dem Weg zu ihren ganz individuellen beruflichen und persönlichen Zielen. Vor seiner Tätigkeit als Coach hat er in einem IT-Unternehmen die Lernwerkstatt aufgebaut und ein Team von 20 Applikations-Entwicklern geführt. Dort haben Lernende innovative Softwareprodukte für Kunden nicht nur geplant, sondern auch realisiert und betreut. Achi ist ebenfalls Mitglied im Redaktionsteam des Berufsbildnerblog.ch

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