Jugendliche wollen Menschen als Botschafter:innen

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Warum identifizieren wir uns mehr mit Menschen, als mit Marken und Unternehmen? Ursula Kaspar vom Institut für limbische Kommunikation und Strategie und Marc Purtschert von Yousty.ch gehen dieser Frage auf den Grund und sprechen über Neuropsychologie, das Verhalten von Jugendlichen im Alltag und was es für das Lehrstellenmarketing bedeutet.

Inside Berufsbildung Folge 1

Hier geht es zur ersten Folge vom Podcast "Inside Berufsbildung"

 

In diesem Blogbeitrag:

Das Umfeld prägt die Jugendlichen

Familie, Freund:innen und die erste Liebe: Jugendliche aus der Generation Z haben ganz schön viel um die Ohren und sind in erster Linie mit sich selbst beschäftigt. Ihr Leben und ihre Entscheidungen werden dabei von ihrem engsten Umfeld geprägt. So trete zum Beispiel eine Jugendliche in die Fussstapfen der grossen Schwester, wenn diese bereits die Lehre als Metzgerei-Fachfrau absolviert habe, weiss Marktforschungsleiterin Ursula Kaspar. Oder aber ein Teenager wird wie seine Freunde Treuhänder, auch wenn er eher der kreative Typ ist und diese Lehre demzufolge nicht zu ihm passt. Es sei uns Menschen schon immer wichtig gewesen, einer Gruppe anzugehören und gemeinsam das Leben zu bestreiten. Früher, um zu überleben, heute, um ein gesellschaftliches Bild zu erfüllen und sich an etwas oder jemandem orientieren zu können. “People follow People”, bestärkt auch Marc Purtschert. 

Kommunikation auf Augenhöhe

Lehrbetriebe seien im Leben der Jugendlichen ganz weit weg, meint Kaspar. Es fehle ihnen der persönliche Bezug zur Firma. Das gilt es zu ändern! Unternehmen können es sich zu Nutzen machen, dass sich die Jugendlichen an ihre engsten Vertrauten und Vorbilder orientieren: So könnten die Firmen “Peers” sprechen lassen, das heisst andere Lernende, die den Jugendlichen per Video oder anderen Kanälen ehrlich und echt von ihrem Berufsalltag erzählen. Ein Rat, den auch Yousty.ch den Lehrbetrieben ans Herz legt. Vorher sollte sich das Unternehmen laut Ursula Kaspar Gedanken über das Firmenprofil und ihre Werte machen und diese entsprechend nach aussen kommunizieren, genauso wie die Haupteigenschaften für den Lehrberuf.  Diese Eigenschaften variieren natürlich, wenn jemand eine Lehre als Maurer:in oder im KV auf der Bank macht. Dementsprechend müssen Lernende gefunden werden, die genau diese Eigenschaften an den Tag legen.

 

Ursula Kasper im Podcast Inside Berufsbildung
"Das Leben ist eine Lernerfahrung", findet Expertin Ursula Kaspar vom Institut für limbische Kommunikation und Strategie

Individualismus: Ja, aber bitte in einer Gruppe

Um passende Lernende zu rekrutieren, müssen die Firmen sie in erster Linie verstehen. Hier ein kleiner Exkurs in die Neuropsychologie: Wie bereits erwähnt, streben Menschen nach einem Gefühl von Zugehörigkeit, doch gleichzeitig auch nach Individualismus. Schlussendlich sieht jede:r die Welt durch eine andere Brille. Die äusseren Sinneseindrücke werden durch einen mentalen Türsteher vor selektioniert, je nachdem was als relevant erachtet wird; der Rest landet sozusagen in einem mentalen Papierkorb, erklärt Ursula Kaspar anschaulich. Was als relevant erachtet wird, ist typabhängig. So gibt es grundsätzlich (in der LimbiCODE®-Marketingsegmentierung) sechs verschiedene Typen von Menschen: Pioniere, Performer, Disziplinierte, Bewahrer und Hedonisten.

Diese Typen sind wiederum von drei neuronalen Instruktionen getrieben, welche die Persönlichkeit beeinflussen, erklärt Ursula Kaspar. Performer sind zum Beispiel getrieben von Dopamin und Testosteron auf der Suche nach Macht, Stolz und Luxus, wohingegen Pioniere, Harmoniser und Hedonisten eher/auch von Neugierde getrieben sind, während Bewahrer und Disziplinierte nach Sicherheit streben. Oder nehmen wir als Beispiel den Beruf Maurer:in: Diese sind vermutlich eher bewahrende Typen und schätzen deshalb viel Struktur und klare Vorgaben. Wichtig sei hier, dass nicht alles schwarz und weiss sei und es viele verschiedene Zwischentypen gäbe, wie zum Beispiel die kreative, aber doch sicherheitsbedürftige Kindergärtnerin. “Es gibt keinen guten oder schlechten Typen”, betont Kaspar. Es gäbe vor allem falsche Typen an der falschen Lehrstelle. Das will man als Lehrbetrieb natürlich vermeiden, deshalb ist es wichtig sich zu fragen welchen Typ Mensch man für diese Lehrstelle einsetzen will. 


Das Kennen der 6 Typen hilft Lehrbetrieben bei der Lehrstellensuche.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Lehrbetriebe sich vorerst ihren Firmenwerten klar werden müssen und den Haupteigenschaften des Berufs. "Welcher Typ Mensch könnte ¨dazu passen?", sollte man sich als nächstes fragen und zu guter Letzt die richtigen Lernenden dafür ansprechen, indem man auf Augenhöhe kommuniziert.

 

 

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Robin Villoz

Robin arbeitet seit vielen Jahren in Bereich der Berufsbildung. Er weiss nicht nur wie die Jugendlichen nach Lehrstellen suchen sondern weiss auch, worauf Lehrbetriebe in der Rekrutierungsphase achten sollten für eine erfolgreiche Rekrutierung.
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