7. Dezember 2020

Erschwerter Lehrstart durch Corona?

Das Jahr 2020 war kein Einfaches für Jugendliche in der Berufswahl und stellte auch Sie als Lehrperson vor grosse Herausforderungen. Die Angst war gross, dass durch das Corona-Virus zahlreiche Jugendliche ohne Lehrstelle bleiben. Das aktuelle Nahstellenbarometer des SBFI zeigt spannende Zahlen zur Lehrstellensituation 2020 auf. Lesen Sie im folgenden Blog-Beitrag mehr zu diesen Themen:

 

Auswirkungen von Corona auf den Lehrstart 2020

72'392 Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren haben im Sommer 2020 die obligatorische Schulzeit abgeschlossen, wovon sich 44% für eine Lehre entschieden haben. Als wichtigste Ansprechpersonen bei der Berufswahl und im Bewerbungsprozess nannten die Jugendlichen die Eltern sowie die Lehrpersonen.

Die Mehrheit der Jugendlichen gab an, bereits ein Jahr vor Lehrbeginn mit dem Bewerbungsprozess zu starten, was sicherlich mitunter dem Berufswahlunterricht zu verdanken ist. Daher konnten zahlreiche Jugendliche bereits vor dem Start des Lockdowns einen Lehrvertrag unterschreiben (64%) und 94% von diesen konnte die Lehre im Sommer auch starten. Von denjenigen Jugendlichen, welche vor dem Lockdown noch keinen Lehrvertrag hatten, fanden dennoch 59% noch eine Lehrstelle. Dies ist mehr als in den Jahren zuvor was bedeutet, dass mehr Jugendliche über den Sommer noch eine Lehrstelle erhalten haben. Das ist wahrscheinlich auch dadurch bedingt, dass die Firmen die Bewerbungsfirst verlängert haben. Zum Erhebungszeitpunkt im August gaben 55% der Jugendlichen an, noch immer aktiv nach einer Lehrstelle zu suchen. 

Interessanterweise melden nur 18% der Jugendlichen, dass Corona ihren Bewerbungsprozess massgeblich beeinflusst habe. Da viele Jugendliche zu Beginn des Lockdowns bereits eine Lehrstelle für 2020 hatten, wurden sie davon nicht tangiert. Betroffen waren vor allem diejenigen, welche zu diesem Zeitpunkt noch keinen Lehrvertrag hatten. 

Auch für Firmen hatte die Corona-Krise meist keinen Einfluss auf die Lernendenrekrutierung. 9 von 10 Unternehmen geben an, keine grösseren Probleme durch das Virus gehabt zu haben, wobei jedoch 20% der Unternehmen ihren Bewerbungsprozess angepasst haben und 8% auf ein "Blitzbewerbungsverfahren" umgestiegen sind. Einige Unternehmen haben gar mehr Lehrstellen angeboten als in anderen Jahren, da sie den Jugendlichen eine Perspektive bieten möchten. Jedoch wurde die aktuelle Wirtschaftslage auch als Grund genannt, Lehrstellen abzubauen. 

Auswirkungen auf Berufswahl und Schnupperlehren

Jugendliche, welche im Sommer 2020 in eine Lehre starteten, wurden also nur geringfügig durch den Lockdown tangiert. Dies sieht anders aus bei den Schüler*innen, welche sich noch mitten im Berufswahlprozess befanden und im Frühjahr eine Schnupperlehre absolvieren wollten. Rund jede zehnte Schnupperlehre konnte nicht durchgeführt werden. Dennoch geben mehr als drei Viertel der Jugendlichen an, dass die Pandemie keine Auswirkungen auf ihre Schnupperlehre hatte. 

Schön zu sehen ist, dass 84% der befragten Jugendlichen mit ihrer bevorzugten Ausbildung beginnen konnte und daher eine sehr hohe Zufriedenheit über den eingeschlagenen Ausbildungsweg herrscht. Dies kann sicherlich auch dem Berufswahlunterricht zugesprochen werden, in dem sich die Jugendlichen bereits lange vor dem Bewerbungsprozess mit den Berufen und ihren Wünschen auseinandersetzen. 

Fazit und Learnings für das neue Schuljahr

Eine wichtige Info vorweg: Die Mehrheit der Unternehmen möchte trotz den Auswirkungen der Corona-Krise auch im 2021 wieder gleich viele Lehrstellen anbieten wie dieses Jahr. Dies bedeutet, dass auch die Schüler*innen, mit denen Sie sich jetzt im Bewerbungsprozess befinden, eine gute Chance auf eine spannende Lehrstelle haben.

Da Sie zu den wichtigsten Ansprechpersonen für die Jugendlichen gehören, können Sie folgende Learnings mitnehmen und Ihrer Klasse auf den Weg geben:

  • Weiterhin frühzeitig mit dem Bewerben beginnen, jedoch keine Angst vor Bewerbungen vor im Frühjahr/Sommer haben

  • Aktiv Schnupperlehren anfragen und nach besonderen Massnahmen und Vorschriften erkundigen

  • Auch Online-Veranstaltungen, Videos und weitere digitale Angebote der Firmen nutzen

  • Das Bewerbungsdossier möglichst persönlich und auf die Firma angepasst gestalten, auch wenn die Schnupperlehre vielleicht nicht stattfinden konnte (Informationen aus dem Internet etc. können auch einbezogen werden)

Wir unterstützen Sie weiterhin

Damit Sie Ihre Klasse optimal im Bewerbungsprozess begleiten können, haben wir unser Tool für Lehrpersonen, den Berufswahl-Radar optimiert. Sie können den Schüler*innen nun noch einfacher Inputs zu deren Bewerbugnsunterlagen geben, können sie weiterhin kostenlos zum Berufs-Check einladen und behalten immer die Übersicht über die Bewerbungsaktivitäten Ihrer Klasse. Im folgenden Video sehen Sie die spannenden Funktionen des neuen Berufswahl-Radars. 

 

Viel Erfolg im Bewerbungsprozess und bleiben Sie gesund!

 

 

 

Quelle: SBFI Nahtstellenbarometer

Anja Iseli

Anja fühlte sich während der Berufswahl selber zu wenig über das Bildungssystem in der Schweiz informiert und setzt sich nun mit Herzblut dafür ein, die Jugendlichen auf diesem wichtigen Weg zu begleiten. Dazu steht sie in engem Austausch mit Lehrpersonen und Eltern.

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