24. September 2020

Die Auswirkung von Corona auf den Lehrstellenmarkt und die Berufsbildung

Wie hat sich die Lehrstellensituation seit dem Lockdown verändert? Wie wird sie in Zukunft aussehen? Seit April 2020 analysiert das Forschungsprojekt LehrstellenPuls der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit der Yousty AG genau diese Fragen. Gemäss Bundesamt für Statistik absolvierten im 2019 insgesamt 220'894 Jugendliche eine berufliche Grundbildung (BSF 2020). Für die Schweizer Wirtschaft und die Entwicklung von Fachkräften ist die Berufslehre somit ein enorm wichtiges Element mit viel Potenzial. 

In diesem Blog-Beitrag:

 

Jugendliche in der Berufswahl

Aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie wurde befürchtet, dass für den Sommer 2020 viele Lehrstellen verloren gehen würden. Allerdings berichteten die Lehrbetriebe im August, dass nur 2,1% (2,1% im Juli, 3,0% im Juni, 2,6% im Mai, 2,7% im April) der Lehrstellen aufgrund der Pandemie gestrichen wurden. 

Für den Lehrbeginn im Sommer 2021 haben wir Lehrbetriebe im August erstmals über ihr Lehrstellenangebot befragt. Dabei werden 75% der Lehrbetriebe gleich viele Lehrstellen anbieten wie für den Sommer/Herbst 2020, 9% werden mehr Lehrstellen anbieten, 10% werden weniger Lehrstellen anbieten und 7% wissen es noch nicht.

Zukünftige Lehrstellen pro Branche

Die aktuelle Situation erfordert natürlich auch ein Umdenken bei der Rekrutierung. So möchten Lehrbetriebe in Zukunft auf neue Massnahmen in der Rekrutierung setzen. 

Rekrutierung von Lernenden

 

Jugendliche in der Lehre

Lernende in einer Berufslehre waren vom Lockdown ebenfalls stark betroffen. Im August konnten 91% (91% im Juli, 86% im Juni, 77% im Mai, 64% im April) der Berufslernenden unter Anwendung der Schutzmaßnahmen des BAG arbeiten. 

4% (9% im Juli, 10% im Juni, 17% im Mai, 25% im April) der Lernenden arbeiteten in begrenztem Umfang an ihrem Arbeitsplatz und 6% (13% im Juli, 19% im Juni, 26% im Mai, 37% im April) waren zumindest teilweise im Home-Office. 2% (2% im Juli, 4% im Juni, 9% im Mai, 23% im April) der Lernenden bekamen Hausaufgaben für ihre betriebspraktische Ausbildung. 0,5% (0,3% im Juli, 0,6% im Juni, 1,3% im Mai, 9% im April) der Berufslernenden erhielten aufgrund von Betriebsschliessungen keine betriebliche Ausbildung.

Damit zeigt die August-Befragung, dass die bisher erfolgten Lockerungen die grosse Mehrheit der Berufslernenden zurück an ihren Arbeitsplatz geführt haben. Allerdings gibt der seit Juli wieder leicht ansteigende Wert für Lernende ohne betriebliche Ausbildung, zu denken.

Das Gute? Gemäss der August-Erhebung wurden nur 0,03% (gleich im Juli und Juni, 0,01% im April und Mai) der bestehenden Lehrverträge für die aktuellen Lernenden aufgrund der Corona-Pandemie aufgelöst

In den meisten Berufsfeldern mit Ausnahme der «Informatik» arbeiteten die Berufslernenden im August überwiegend oder fast vollständig normal (mit Schutzmassnahmen). 

Von wo arbeiten die Lernenden

 

Jugendliche nach der Lehre

Im August arbeiteten 76% (74% im Juli, 73% im Juni, 79% im Mai, 73% im April) der Berufslernenden in Betrieben, die ihre Weiterbeschäftigungspraxis von Lernenden nach dem Lehrabschluss bisher nicht änderten. Das heisst, sie behalten etwa gleich viele Lernende nach dem Abschluss wie sonst. Am grössten ist die Unsicherheit betreffend Weiterbeschäftigung nach wie vor in den Berufsfeldern «Nahrung» (21% im August, 23% im Juli, n. a. 1 im Mai und Juni) und «Gesundheit» (18% im August, 22% im Juli, 25% im Juni, 34% im Mai) gefolgt von den Berufsfeldern «Gastgewerbe/Hotellerie» (22% im August, 21% im Juli, 25% im Juni, 29% im Mai). In den meisten Berufsfeldern werden weniger Lehrabgänger*innen weiterbeschäftigt. Dies betrifft insbesondere «Metall/Maschinen/Uhren» (14% im August, 12% im Juli, 11% im Juni, 9% im Mai). Beim Berufsfeld «Natur» (92% im August und Juli, 93% im Juni, 87% im Mai) ist die Weiterbeschäftigungspraxis verglichen mit der bisherigen Praxis am stabilsten.

Weiterbschäftigung von Lernenden

Wie sahen die Ergebnisse der QV aus? 67% (70% im Juli) der Berufslernenden arbeiten in Lehrbetrieben, in denen gegenüber dem Vorjahr gleich viele Lernende den Berufsabschluss erlangt haben. 19% (17% im Juli) der Lernenden arbeiten in Betrieben, in denen mehr Lernende abgeschlossen haben und 14% (13% im Juli) sind in Lehrbetrieben, bei denen in diesem Jahr weniger Lernende den Berufsabschluss erlangt haben. Zudem wurde gefragt, ob die Noten des betriebspraktischen Teils des Qualifikationsverfahrens (QV) anders waren als in den Vorjahren.  25% (26% im Juli) der Lernenden arbeiten in Lehrbetrieben, die angaben, dass die Lehrabgänger*innen in diesem Jahr bessere Noten erzielt haben, 14% (5% im Juli) in Betrieben, die angaben, dass die Noten schlechter waren und 41% (50% im Juli) in Betrieben, die mit dem Vorjahr vergleichbare Noten beobachteten.

Lernende werden besser

 

Der 7. Karriere-Talk 

Am 1. Oktober 2020 findet der 7. Karriere-Talk von Yousty als Webinar statt. Wir werden mit der ETH zusammen die wichtigsten Punkte und Erkenntnisse des LehrstellenPuls vertiefen und in einem anschliessenden Talk können verschiedenste Aspekte und Fragen geklärt werden. Berufsbildner, Praxisbildner und Experten sind alle willkommen. 

Anmeldung zum 7. Karriere-Talk



Robin Villoz

Robin spricht die Sprache der Jugend und weiss, worauf Lehrbetriebe in der Rekrutierungsphase achten sollten.

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